Weihnachtsgrußwort der Bürgermeisterin

Kürzlich habe ich bei einer Tagung mit einem Kollegen gesprochen, der sein Kind zur Erstkommunion angemeldet hat. Er sagte mir, mit Kirche habe er nicht so viel am Hut, aber er findet die Erstkommunion gut, weil unsere Werte ja überall den Bach runter gingen... Was sind denn eigentlich „unsere“ Werte? Und: Hat man die einfach so, weil man zur Erstkommunion oder in die Kirche geht oder weil man im Ethik-Unterricht ein „Sehr gut“ erzielt und im „Verhalten“ am „ausreichend“ vorbeischrammt?

Genau kann einem das keiner so richtig sagen. Ich finde jedenfalls: Werte lassen sich nicht verordnen, sie wachsen langsam. Wenn wir heute darüber streiten, was denn nun „unsere“ Werte genau sein sollten – vergessen wir dabei meist, wie man eigentlich zu einer Werthaltung kommt. Wie man also einen Wert als solchen entdeckt und ihn annimmt als Kompass, der einem hilft.

Als ich an einem Sonntagmorgen zur Wochenendschulung unserer Feuerwehr mit zur Übung im Gewerbegebiet war, wartete schon der 3jährige Theo - Sohn unseres Stadtwehrleiters und unserer Jugendwartin -  mit seinem Opa auf die Feuerwehrfahrzeuge. Natürlich war der junge Mann komplett ausgestattet mit Feuerwehruniform und Helm. Aus den Augenwinkeln konnte ich bei der Übung ab und zu beobachten, wie er abseits vom Übungsgeschehen seine Mama und seinen Papa bei der Feuerwehrarbeit bestaunte und sein Opa ihm die Löschangriffe und die Gerätschaften der Feuerwehr zeigte, die gerade im Einsatz waren. Staunen, Fragen, Erkunden, Neugier und jede Menge Stolz strahlte der Knirps aus. Theo war in diesen Minuten sicher das glücklichste Kind in Bad Düben, zumindest aber im Gewerbegebiet. Theo erlebte dieses Jahr aber auch, wie oft seine Eltern abends oder nachts oder während ihrer Familienfreizeit zum Alarm gerufen wurden. Und Oma und Opa auf ihn und seine Schwester aufpassten, wenn wieder mal irgendwo ein Einsatz oder eine der vielen Sitzungen waren. Und trotzdem ist Theos Feuerwehruniform kein Kostüm!

Etwas, das seinen Eltern wichtig ist, hat sich auf ihren Sohn übertragen. Er hat einfach mitbekommen, wie in ihnen eine Begeisterung entsteht, eine selbstverständliche Verantwortung für andere und wie familiärer Zusammenhalt und auch ein füreinander Einstehen unter den Kameradinnen und Kameraden gelebt werden kann. Das fand er im wahrsten Sinne des Wortes – anziehend!

Wenn 150 Begeisterte aus verschiedenen Vereinen und Individualisten beim „LandSchafftTheater“ Weihnachten aus Gründen der Effizienz kurzerhand in den Sommer verlegen und beweisen, dass das große Ganze, der Star der Stadt 2019 ist. Wenn die Tochter ihr Leben umkrempelt, um der kranken Mutter ein würdiges zu Hause und Geborgenheit zu geben. Wenn wir bei einer Ausstellung im Naturparkhaus nachempfinden können, was 30 Jahre Krieg für Düben bedeutet hat. Wenn wir gemeinsam beim Stadtfest feiern, aber auch kritisch fragen, was läuft schief in Bad Düben, wo können wir besser werden, dann gilt:

Etwas vor-leben, nicht nur vor-sagen, darauf kommt es an. Das gilt wohl für alle sogenannten Werte. Wenn andere wirklich miterleben können, was uns, was jedem Einzelnen wichtig ist und wohin die Herzen gehen, dann strahlt das ab!

Das gilt für die Werte, die wir im Zusammenleben benötigen: Solidarität, Rücksicht, Toleranz, Nächstenliebe! Und es gilt auch für die Stadtgemeinschaft! Wie „Wert“-haltig unser Bad Düben ist, wird sich in keinem wirtschaftlichen Jahresabschluss finden.

Es ist ein Gefühl – ein geruhsamer Advent und friedliche, fröhliche Weihnachten in Bad Düben, zur richtigen Jahreszeit ist vielleicht nicht effizient, aber von unschätzbarem Wert!

Ihre Astrid Münster         

Zurück zur Übersicht