Weihnachtsgrußwort der Bürgermeisterin

In der Umarmung einer Stadt

„Advent und Weihnachten sind trotzige Zeiten.“ Diese Behauptung begegnete mir in den letzten Tagen und steht im krassen Gegensatz zu allen sonstigen Gefühlen und Gemütslagen, die ich bislang mit Advent und Weihnachten verbunden hatte. Ich befinde mich in den letzten Wochen des Jahres eher in einer Stimmung von Besinnlichkeit, Licht, Familie, Ruhe und Zeit. Wenn ich aber gerade an das letzte Jahr – an das Weihnachten nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt denke, dann sind „Advent und Weihnachten trotzige Zeiten.“ Sie trotzen der Wirklichkeit!

Haben wir nicht in unseren Familien voriges Jahr die Weihnachtsfeiertage begangen wie immer? Gab es nicht dennoch den Weihnachtsbaum, Weihnachtslieder und den Festtagsbraten, Geschenke und Lichter in der Stadt und zu Hause? Unsere Pyramide vorm Rathaus hat nicht eine Minute still gestanden. Wir machen eben weiter! Wir lassen uns die Stimmung und das Leben nicht vermiesen.

Ich musste an die Mütter denken! Meine Mutter und viele Mütter haben etwas getan, was viele Mütter und Väter dieser Welt immer wieder tun: Wenn ich mir als kleines Mädchen weh getan und ich Angst hatte, kam sie, hielt mich im Arm und sagte: „Alles wird gut!“

Mütter und Väter dieser Welt sind eben barmherzige Lügner. „Alles wird gut!“ Das stimmt doch gar nicht. Es ist längst nicht alles gut! Und doch sind wir für diesen Satz unserer Mütter zutiefst dankbar. Mit diesem Wort und ihren Umarmungen haben wir gelernt, was es heißt zu vertrauen, dem Leben zu trauen. Alles wird gut! Als Erwachsene mit viel Lebenserfahrung sind wir zwar Realisten geworden, sehen auch das Böse und Brutale, aber wir trauen dem Leben, hier und jetzt.

Advent und Weihnachten sind eben trotzige Zeiten!

Und genau dies will uns die Weihnachtsgeschichte seit über 2000 Jahren sagen. Jesus geht hervor aus dem fast ausgelöschten Volk Israels, das unter die Räder der Mächtigen geraten ist. Mit dem Leben Jesus wird aus Unrecht und Gewalt Friede und Gerechtigkeit. Alles wird gut!

Und genau deswegen brauchen wir Weihnachten und Advent. In unsere Stadt kommen gerade im Advent zu unseren Veranstaltungen viele Gäste. Die Stadt erstrahlt im Lichterglanz, Häuser und Geschäfte sind weihnachtlich geschmückt. Unsere Stadt mit ihren beschaulichen Straßen und Gassen, viele Häuser im Inneren strahlen Wärme und Geborgenheit aus. So müsste es sein, so könnte es sein: ein Mut machender Blick in die „heile Welt“! Die Sorgen und Ängste gehen mit, und doch spürt man diesen trotzigen Einspruch gegen die Härte der Wirklichkeit: Wir brauchen diese Zeit der Hoffnung, des Vertrauens in die Kraft des Lebens, um weiter machen zu können. Sie ist LEBENSWICHTIG! Auch wenn für einige von Ihnen ein schwerer Weg hinter oder vor Ihnen liegt. Und wenn Sie verzweifelt sind, Ängste haben, lassen Sie sich von der  Atmosphäre der Stadt umarmen, denken Sie an die Menschen, von denen Sie in den Arm genommen wurden und an die, die Sie in den Arm genommen haben. Seien Sie trotzig und sammeln Sie Kraft und Vertrauen für das kommende Jahr!

Ihre

Astrid Münter

Bürgermeisterin

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